Die Geschichte der Juden

Die Geschichte der Juden in Nürnberg reicht weit in das Mittelalter zurück. Bereits Anfang des 12. Jahrhunderts befinden sich Juden aus umliegenden Regionen auf der Flucht vor Verfolgung und lassen sich in Nürnberg nieder. Den Bewohnern jüdischen Glaubens ist in den Jahrhunderten vieles widerfahren und leider nicht immer Gutes.

Im Jahr 1349 ereilte ein neues Unheil die jüdische Gemeinde. Karl IV gab dem Rat die Erlaubnis das Judenviertel niederzureißen. In der ersten Dezemberwoche griffen Teile der Nürnberger Bevölkerung die Juden an und ermordeten ca. 570 ihrer jüdischen Nachbarn. Wiedermal benutzte man die Juden als Sündenböcke und Ventil für die herrschenden inneren Macht- und Konkurrenzkämpfe. Nach dem Massaker wurden der Hauptmarkt und der Obstmarkt angelegt und an Stelle der Synagoge, die sich nach dem Zusammenwachsen der beiden Stadthälften mitten im Zentrum befand, eine Marienkirche (die heutige Frauenkirche) errichtet. Während des Pogroms zerstörten Vandalen den jüdischen Friedhof. Vier Grabsteine wurden trapezförmig zugeschnitten und als Treppenstufen im Südturm der Lorenzkirche eingelassen.

1967 erhält die Gemeinde Kenntnis von den vier jüdischen Grabsteinen aus dem damals zerstörten Friedhofs. Es folgen Verhandlungen mit dem Evangelischen Dekanat, welcher letztlich zustimmt, die Steine aus den Stufen herauszunehmen und sie der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg zu überlassen. 1970 finden die Grabsteine endlich einen würdigen Platz an einer Innenmauer der Trauerhalle des jüdischen Friedhofs.

Der Hopfenhandel in Nürnberg

Seit Ende des 18. Jahrhunderts florierte in Bayern der Hopfenhandel. Vor allem im Raum Nürnberg/Fürth und in Bamberg entwickelte sich ein überregional tätiger Handel, so dass sich bis Ende des 19. Jahrhunderts mehr als 400 Firmen mit dem Verkauf und Vertrieb von Hopfen beschäftigten. Bis Ende des 19. Jahrhunderts stieg Nürnberg sogar zum Welthandelszentrum für Hopfen auf, noch vor London und New York.

Ein wesentlicher Teil des Hopfenhandels lag in den Händen jüdischer Kaufleute. Einige Handelsleute, die später Ehrenbürger ihrer Heimatstadt Nürnberg wurden, erlangten überregionale Prominenz. Zu diesen Persönlichkeiten gehörten, zum Beispiel, Josef Schülein (1854-1938), ab 1885 auch Besitzer des Münchner Unionsbräu (später Löwenbräu), die Brüder Wilhelm (1843-1928) und der Kaufman und Mäzen Ludwig Gerngroß (1839-1916).

Ludwig Gerngroß und der Neptunbrunnen

Wie bereits erwähnt, engagierte sich der erfolgreiche Hopfenhändler Ludwig Gerngroß als großzügiger Mäzen für Kultur und Kunst in Nürnberg. So wurde beispielsweise der Abguss des Neptunbrunnens komplett aus seinen Geldern finanziert. Für seine Verdienste um die Heimatstadt Nürnberg erhielt er 1909 die Ehrenbürgerwürde.

Kaum ein anderer Brunnen in Nürnberg hat solch eine wechselvolle und ereignisreiche Geschichte wie der Neptunbrunnen. In den 1660er Jahren wird eine barocke monumentale Brunnenanlage von dem Bildhauer Georg Schweiger und dem Goldschmied Christoph Ritter entworfen und von dem Glocken- und Kunstgießer Wolfgang Hieronymus Herold gegossen. Jedoch, wird der Brunnen aus verschiedenen Gründen nie aufgestellt. Im Jahr 1796 verkauft man ihn aus finanzieller Notlage an Zar Paul I. So fand der Neptunbrunnen in Sankt Petersburg vor dem Schloss Peterhof seine neue Heimat.

In den 1880er Jahren schlug der Nürnberger Künstler Friedrich Wandrer vor, eine Kopie des Brunnens anfertigen zu lassen. Der Bürgermeister Georg Schuh unterstützte das Vorhaben und fand in dem jüdischen Hopfengroßhändler Ludwig Gerngroß einen großzügigen Wohltäter, der den Guss und die Aufstellung der Kopie des Neptunbrunnens auf dem Hauptmarkt ermöglichte. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus erfährt der Brunnen eine Kehrtwende in seiner Geschichte. Nun stand er den Nationalsozialisten im Weg und musste, weil er von einem Juden gestiftet worden war, entfernt werden. Im Jahr 1934 wird der Neptunbrunnen abgebaut und drei Jahre später auf dem heutigen Willy-Brandt-Platz errichtet. Seit 1962 befindet er sich im Nürnberger Stadtpark.

Joseph Kohn und das Bankhaus Kohn

Das Engagement von Hopfenhändlern mündete oftmals in die Gründung privater Bankhäuser. So gründete Anton Kohn 1878 das Bankhaus Kohn, welches sich zur größten Privatbank Bayerns entwickelte. Seit der Vertreibung der Juden 1499 erhielt die Familie Kohn im Jahre 1850 als erste jüdische Familie das Recht sich in Nürnberg niederzulassen. Es dauerte nicht lang bis Mitglieder der Familie Kohn in das Nürnberger Großbürgertum aufstiegen. Immer mehr Juden folgten dem Beispiel der Familie Kohn und zogen aus den umliegenden kleinen Landgemeinden in die wirtschaftlich aufstrebende Stadt. 1861 wurden die Judenmatrikel abgeschafft und 1871 folgte die endgültige rechtliche Gleichstellung jüdischer Bürger. Und obwohl die Zahl der jüdischen Einwohner zu dieser Zeit nur 2,2 Prozent der Stadtbevölkerung ausmachte, leisteten jüdische Kaufleute einen beträchtlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung der Industriestadt Nürnberg. Während der NS-Zeit werden viele Angehörige der Familie Kohn deportiert und ermordet. Der jüngeren Generation gelang die Emigration.

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