1112

Anwesenheit von Juden in Nürnberg wird in einer Urkunde Heinrichs V. erwähnt.

1296

Einweihung einer Synagoge auf dem Hauptmarkt (war bei der Größe der Gemeinde wahrscheinlich nicht die erste).

1298

Erster Pogrom in Nürnberg. 628 Männer, Frauen und Kinder werden umgebracht. Friedhof und Synagoge werden nicht zerstört.

1301

Juden erhalten erneut Erlaubnis, in Nürnberg zu wohnen. Friedliches Nebeneinander von Christen und Juden in der Stadt.

1349

Obwohl die Juden unter dem Schutz Kaiser Karls IV. stehen, erwirkt der Nürnberger Stadtrat Ulrich Stromer beim Kaiser durch eine persönliche Vorsprache im Auftrag des Magistrats die Erlaubnis, die Juden aus Nürnberg zu vertreiben. Zweiter Pogrom und Vertreibung der Juden aus Nürnberg. Zwischen dem 5. und 7. Dezember 1349 fällt die Bevölkerung über die Juden her und erschlägt und verbrennt sie, ohne dass der Rat dagegen einschreitet. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt 562 Personen. Damals wohnten ca. 1500 Juden in Nürnberg, also 10 % der Bevölkerung.

1350

Wieder erlaubt man den Juden, in Nürnberg Wohnung zu nehmen. Das Ghetto liegt zwischen der heutigen Judengasse-Wunderburggasse-Martin-Treu-Straße und Rotschmiedsgasse.

1375

In der Judengasse wird eine neue Synagoge eingeweiht.

1499

Es gibt zwar keinen Pogrom, aber zwischen dem 20. Februar und dem 10. März 1499 müssen alle Juden die Stadt verlassen. Der Rat der Stadt erwirbt für nur 8000 Gulden sämtliche Judenhäuser, die Synagoge, den Friedhof und allen liegenden Grund. Rund 350 Jahre, bis zum Jahre 1850, gibt es keine Bürger jüdischen Glaubens in Nürnberg.

1850

Mit 9 gegen 8 Stimmen beschließt der Stadtmagistrat die Zulassung von Juden als Bürger in der Stadt Nürnberg. So wurde der 350-jährige Bann gebrochen und einem Juden die Wohnsitznahme in Nürnberg gestattet.
Im gleiche Jahr stimmt das Innenministerium der Zulassung von Juden zu. Für weitere Zuzüge von Juden gibt es keine prinzipiellen Schwierigkeiten mehr.

1852

Die Zahl der jüdischen Mitbürger Nürnbergs erreicht 87 Seelen.

1862

Am 28. Januar wird die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg gegründet.

1864

Eröffnung des jüdischen Friedhofs an der Bärenschanzstraße.

1867

Es leben bereits 1254 Juden in Nürnberg.

1874

Am 8. September wird nach langen Bemühungen um Grundstück und Bau die im maurischen Stil errichtete Nürnberger Synagoge am Hans-Sachs-Platz unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit eingeweiht.

1875

Die der orthodoxen Richtung angehörenden Juden in Nürnberg gründen den Verein Adas Israel.

1900

Um die Jahrhundertwende ist die Gemeinde auf 1.705 Seelen angewachsen, wobei bemerkt werden kann, dass die Juden erheblichen Anteil an der Industrialisierung der Stadt Nürnberg im 19. Jahrhundert haben. Die gesamte Zweiradindustrie - Hercules, Ardie, Triumph u.s.w. - sind Gründungen jüdischer Industrieller, ein großer Teil der Blechspielwarenfabrikation ist in jüdischen Händen, z.B. Trix-Werke, Bing-Werke, besonders aber die Schuco-Werke, die Pinselfabrikation wird aus der Ansbacher Gegend, wohin ein Teil der Juden nach der Ausweisung im Jahre 1499 verzogen war, nach Nürnberg gebracht.

1902

Die orthodoxe Synagoge in der Essenweinstraße wird ihrer Bestimmung übergeben. Im gleichen Jahr findet die Enthüllung des von dem jüdischen Hopfenhändler Gerngros gestifteten Neptunbrunnens auf dem Nürnberger Hauptmarkt statt.

1910

Einweihung des neuen, noch heute benutzten Friedhofs an der Schnieglinger Straße.

1914

1.543 Männer der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg dienen bis 1918 im deutschen Heer (1915 lebten in Nürnberg 8.307 Juden). 178 der jüdischen Soldaten Nürnbergs fallen im Ersten Weltkrieg für ihr - wie sie zurecht annehmen konnten - Vaterland. Die Jahre 1933 bis 1945 bewiesen: Sie hatten sich getäuscht!

1922

Die IKG Nürnberg hat nun 9.280 Mitglieder.

1923

In Nürnberg vermehren sich die antisemitischen Tendenzen. Das von dem Volkschullehrer Julius Streicher herausgegebene, judenfeindliche, pornographische Wochenblatt "Der Stürmer" erscheint zum ersten Mal.

1933

Das Leben innerhalb der Gemeinde, die Bedingungen für die jüdischen Bürger Nürnbergs verändern sich radikal mit dem 30. Januar 1933.

1933

1. April: Boykott jüdischer Unternehmen durch SA-Posten. 7. April: Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums führt zur Ausschaltung nicht arischer, zumeist jüdischer Beamter. Entsprechende Gesetze für andere Berufsgruppen folgen. Juden wird das Betreiben von Geschäften in städtischen Gebäuden verboten.

1933

Am 20. Juli werden etwa 300 Nürnberger Juden zu einem SA-Sportplatz im Süden der Stadt getrieben und dort misshandelt. Ab August dürfen die städtischen Schwimmhallen nicht mehr von Juden benutzt werden.

1934

Ab Juni ist Juden der Besuch des Stadtparks verboten. Im August entziehen die Behörden 2.000 Juden in Nürnberg, die ausländischer Herkunft sind, die deutsche Staatsangehörigkeit.

1935

Ab Sommer laufen verstärkte Aktionen "Juden unerwünscht" an. An Ortseingängen, in Badeanstalten, in Cafés, Geschäften usw. werden entsprechende Schilder angebracht.

Am 15. September gibt Göring im Auftrag Hitlers auf dem Reichsparteitag der Freiheit in Nürnberg die sogenannten Nürnberger Gesetze bekannt: Das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre. Damit wird den Juden ein großer Teil der bürgerlichen Rechte entzogen. Die endgültige Vernichtung ist eingeleitet.

1938

Nürnberg ist eine der zwei Großstädte des Deutschen Reiches, in denen die Hauptsynagoge noch vor der Nacht der Schande (so genannte "Reichskristallnacht" - 9. auf 10. November) abgebrochen werden. Der Nazi-Oberbürgermeister Liebl und der unselige Gauleiter Julius Streicher verkünden am 10. August beim Startzeichen zum Beginn des Abbruchs der Synagoge bombastisch das Ende der Judenherrschaft über Nürnberg. 17. August: Einführung der Vornamen Israel bzw. Sarah für alle Juden. 9./10. November: Die Nacht der Schande ("Reichskristallnacht").

1941

15. September: Ab sofort müssen alle Juden über sechs Jahre in der Öffentlichkeit den gelben Stern, den so genannten "Judenstern" tragen. 29. November: 512 arbeitsfähige Nürnberger Juden unter 60 Jahre werden in ein Lager bei Riga abtransportiert.

1942

25. März: Rund 452 Juden werden nach Izbica, Kreis Lublin verfrachtet.
Niemand überlebt.

Juni: In einem Schauprozess wegen angeblicher Rassenschande wird der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Leo Katzenberger, zum Tode verurteilt und durch das Fallbeil hingerichtet. Es ist das erste Mal, dass aufgrund der Nürnberger Gesetze in Verbindung mit dem §4 der "Verordnung gegen Volksschädlinge" (Verbrechen, begangen unter Ausnutzung der Verdunkelung) ein Todesurteil erlassen und vollstreckt wird.

1945

Januar: Die restlichen, noch in Nürnberg lebenden Juden, entgehen der Deportation, weil die Unterlagen und Transportmöglichkeiten durch Luftangriffe auf Nürnberg vernichtet werden.

1948

Die 2. Generalversammlung der IKG Nürnberg wird durchgeführt.

1952

Die Gemeinde zählt bereits 182 Mitglieder. 130 davon leben in Nürnberg, 52 in der näheren oder weiteren Umgebung. Es haben sich viele, so genannte DP'S, die nach Auflösung ihrer Lager in der Region ihren Wohnsitz genommen haben, der Nürnberger Gemeinde angeschlossen.

1954

Die Gemeinde ist inzwischen auf 196 Mitglieder angewachsen. Der 1952 gewählte Vorstand wird bei der in diesem Jahr abgehaltenen Generalversammlung bestätigt.

1960

Der bestehende Saal wird vergrößert, eine Bühne eingebaut und ein Religionszimmer geschaffen. Das 100jährige Bestehen der Gemeinde im Jahr 1962 kann bereits in den neuen Räumen gefeiert werden.

1966

In diesem Jahr gibt es einen Generationswechsel in der Vorstandschaft. Adolf Hamburger verzichtet auf eine Wiederwahl, er wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Paul Baruch wird 1. Vorstand, Arno Hamburger 2. und Dr. Majloch Majngarten 3. Vorstand der IKG Nürnberg.

1967

Es wird wieder eine Gemeindezeitung herausgegeben. Im gleichen Jahr erhält die Gemeinde Kenntnis von vier jüdischen Grabsteinen aus dem 1349 zerstörten Friedhof, die als Treppenstufen im Südturm der Lorenzkirche eingelassen waren. Nach längeren Verhandlungen stimmt das Evang. Dekanat zu, die Steine aus den Stufen herauszunehmen und sie an einen würdigen Platz in der Aussegnungshalle am jüdischen Friedhof zu verbringen.

1970

In einem Festakt werden die Grabsteine an der Wand der Aussegnungshalle angebracht. Sie sind das älteste, nicht schriftliche Zeugnis der Anwesenheit von Juden in Nürnberg. Die Gemeinde ist zwischenzeitlich auf 270 Mitglieder angewachsen. Als Folge des "Prager Frühlings" kommt eine ganze Reihe Personen jüdischen Glaubens aus der CSSR nach Nürnberg und nimmt hier ihren Wohnsitz. Die Gemeinde verkauft ein rd. 15.000 qm großes Grundstück zwischen dem West- und dem jüdischen Friedhof an die Stadt, erwirbt mit dem Erlös ein rd. 2.500 qm großes Baugrundstück und beschließt, dort zwei Wohnhäuser zu errichten, um mit den Mieteinnahmen die finanziellen Probleme, zumindest teilweise, zu lösen.

1971

Erstmals in der Nachkriegszeit ergeht von der Stadt eine Einladung an ehemalige jüdische Einwohner im Ausland. Diese Tradition wird bis heute fortgesetzt. Am 11. Juni wird zur Erinnerung an die große Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz ein Gedenkstein eingeweiht.

1972

Die beiden Wohnhäuser an der Oedenberger Straße können bezogen werden. Arno Hamburger wird zum 1. Vorsitzenden der Gemeinde und im gleichen Jahr in den Nürnberger Stadtrat gewählt. Damit ist die Gemeinde nach über 39 Jahren wieder im Stadtparlament vertreten.

1980

Das Anwesen Wielandstr. 6, erbaut im Jahre 1928, das als Altenwohnheim, Gemeindeverwaltung und Gebetshaus genutzt wurde, entspricht nicht mehr den Anforderungen, die von der Regierung Ansbach an ein Altenwohnheim gestellt werden und ist auch für die Anzahl der Mitglieder als Gebetsstätte nicht mehr adäquat. So wird nach längeren Diskussionen unter den Mitgliedern der Gemeinde beschlossen, ein neues Gemeindezentrum zu errichten.

1982

Der Vorstand bekommt von der Generalversammlung den Auftrag, ein Grundstück an der Kilian-/Johann-Priem-Straße, das der Gemeinde von der Stadt angeboten worden war, zu erwerben und mit dem Bau des neuen Zentrums zu beginnen. Im gleichen Jahr wird ein Straßenzug nach David Ben Gurion benannt. Es ist für die IKG Nürnberg eine große Genugtuung, dass in der ehemaligen Stadt der Reichsparteitage, in der ein unmenschlicher Gauleiter ein besonders grausames Regime gegen die jüdischen Bürger geführt hatte, eine solche Ehrung für den ersten Ministerpräsidenten des Staates Israel vollzogen wird.

1983

Mit den Ausschachtungsarbeiten an der Kilianstraße für das wohl wichtigste Vorhaben der IKG Nürnberg seit dem Bau der großen Synagoge am Hans-Sachs-Platz in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird begonnen.

1984

Nach nur 1 ½ jähriger Bauzeit, am 8. September 1984, auf den Tag genau 110 Jahre nach der Einweihung der großen Synagoge am Hans-Sachs-Platz, wird das neue Gemeindezentrum, bestehend aus einem Senioren Wohn- und Pflegeheim, einer Synagoge und den Verwaltungsräumen, durch den amtierenden Oberbürgermeister Dr. Urschlechter seiner Bestimmung übergeben.

1987

In einer kleinen Feier wird ein Rückblick gegeben auf die 125 Jahre bestehende Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg.

Im gleichen Jahr kehrt der sogenannte "Judenstein" in die Gemeinde zurück. Dieser Stein, der Thora-Aufsatz aus der im Jahre 1499 zerstörten Synagoge, war 1909 von der damaligen Gemeinde erworben und in der Synagoge am Hans-Sachs-Platz eingemauert worden. Beim Abbruch dieser Synagoge 1938 verschwanden der Stein und eine darunter angebrachte Tafel.

1988

Am 7. August wird der kleine Gedenkstein, der an die 50 Jahre zuvor durch die Nazis zerstörte Hauptsynagoge erinnert, durch ein größeres Denkmal ersetzt.

Am 9. November wird zur Erinnerung an die Synagoge in der Essenweinstraße, die in der Nacht der Schande den Flammen zum Opfer gefallen war, ein Denkmal enthüllt.

1990

Die Einreise von Glaubensschwestern und -brüdern aus der ehemaligen Sowjetunion beginnt.

2005

Bis 2005 hat die IKG Nürnberg über 1.200 dieser sogenannten "Kontingentflüchtlinge" aufgenommen und bemüht sich nach besten Kräften, sie in unserer Stadt zu integrieren und ihnen eine neue Heimat zu bieten. Eine schwere, aber schöne Aufgabe, und wir hoffen, sie mit Hilfe der Stadt, anderen Institutionen und Menschen guten Willens erfolgreich lösen zu können. Natürlich bringt die Steigerung der Mitgliederzahl von knapp 300 im Jahre 1990 auf 1.450 im Jahr 2005 viele Probleme mit sich. Es stellt sich immer mehr heraus, dass das "neue Gemeindezentrum" und die "neue Synagoge" des Jahres 1984 räumlich nicht mehr ausreichen. Mit allerlei möglichen und zum Teil auch unmöglichen Hilfskonstruktionen bemühen wir uns, die prekäre Situation zu bewältigen. Wenn aber die Zuwanderung in gleichem oder ähnlichem Umfang wie in den letzten 10 - 12 Jahren weiter geht, wird nach einer Lösung gesucht werden müssen.

2013

Mittlerweile zählt die Gemeinde 1977 Mitglieder. Integrationsmaßnahmen, wie z.B. Deutschkurse für die Eingewanderten laufen auf Hochtouren. Die Gemeinde bemüht sich den Bedürfnissen der gewachsenen Gemeinde gerecht zu werden und startet ein großes Bauprojekt. Im Jahr 2013 befindet sich die Gemeinde bereits in der Bauphase. Geplant ist ein neues Gemeindezentrum mit Büroräumen, Klassenräumen und einem Jugendzentrum, das die Möglichkeit eröffnen sollte, große Veranstaltungen durchzuführen und den akuten Platzmangel zu beseitigen. Am 26.9.2013 verabschiedet sich die Gemeinde von ihrem langjährigen Vorsitzenden Arno Hamburger. Er stirbt im Alter von 90 Jahren und hinterlässt ein buntes und gedeihendes jüdisches Leben in der Stadt, die er maßgebend geprägt hat. Ihm ist es zu verdanken, dass das jüdische Leben in Nürnberg wieder aufgeblüht ist und die Partnerschaft zwischen Nürnberg und Hadera aufgenommen wurde. Nach dem schweren Verlust gilt es nun für die Mitarbeiter und aktiven Mitgestalter auf dem festen Fundament weiterzuarbeiten und den Traum von einer lebendigen jüdischen Gemeinde immer weiter zu verwirklichen.

2016

Am 3. Juli 2016 fand die feierliche Einweihung des neuen Gemeindezentrums statt. Damit geht ein großer Traum des ehemaligen langjährigen Vorsitzenden, Arno Hamburger, in Erfüllung. Unter den Gästen und Rednern waren Oberbürgermeister Dr. Maly, Zentralratspräsident Dr. Schuster und Staatsminister Herrmann. Das einleitende Wort sprachen Ursula Abrahamy, geb. Hamburger und Jo-Achim Hamburger. Insgesamt 280 Gäste aus Politik, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Kultur - Freunde und Unterstützer der Gemeinde - nahmen an der Einweihung teil. Nun gilt es den großen Arno-Hamburger-Saal mit einem Kunstwerk zu versehen und mit viel Leben und Jiddischkeit zu füllen.